Michael Prinz im Interview

Als Michael Prinz vor bald einem Jahr nach Hamburg ging und Geschäftsführer von Hamburg Energie wurde, war das ein doppelter Perspektivwechsel. Zum einen ist er ein Gewächs des Ruhrgebiets und hat immer in Nordrhein-Westfalen gewohnt: Abitur in Recklinghausen, Diplomstudium der Elektrotechnik in Aachen, Wirtschaftsingenieursstudium in Bochum. Danach arbeitete er in Essen als Unternehmensberater – das ist der zweite Perspektivwechsel. Prinz hat über fünfzehn Jahre Firmenchefs in Energiefragen vor allem beraten. Jetzt führt er selbst einen Stromanbieter.

„Als Berater war man immer der Treiber für neue Themen, neue Projekte – jetzt stehe ich selbst in der Verantwortung, das umzusetzen“, erzählt Prinz. Ob es dabei Hürden gebe, die er nicht habe kommen sehen? „Es hemmt mich nichts, Hamburg Energie ist ja ein junges Unternehmen, was sich auch im Team bemerkbar macht: Alle sind motiviert, mit ihnen kann man viel umsetzen.“

Hamburg Energie ist eine Tochter von Hamburg Wasser, das seinerseits zu hundert Prozent der Stadt Hamburg gehört. Als Prinz im Mai 2017 von den Hamburger Grünen als neuer Geschäftsführer von Hamburg Energie vorgeschlagen wurde, gab es gleich Gegenwind von der Opposition: Ausgerechnet die FDP bemängelte, dass das Gehalt des designierten Unternehmenschefs zu hoch sei. Das sei nicht gegen ihn persönlich gerichtet gewesen, sondern gegen den öffentlichen Unternehmensauftrag, sagt Prinz.

„Wir haben einen ganz klaren Projektauftrag: Wir versorgen unsere Einwohner mit Ökostrom, unser Auftrag ist, 100 Prozent Ökostrom anzubieten.“ Die eigene Erzeugung liege derzeit bei 66 Prozent, für den Rest kauft das Unternehmen Zertifikate. Prinz setzt auf regionale, dezentrale Energieerzeugung: „Wir wollen den Bürgern die Möglichkeit geben, die Energiewende mitzugestalten.“ Von riesigen unternehmenseigenen Offshore-Windparks hält er dagegen wenig.

Der heute 45-Jährige hat schon seine Diplomarbeit über die Einbindung von Blockheizkraftwerken geschrieben. Damals fertigte er eine Analyse für Stadtwerke an – sein erster Kontakt mit Stadtwerken, fast 20 Jahre vor seinem Wechsel nach Hamburg. Bei der Unternehmensberatung Con-Energy, wo er 2001 anfing und später lange Geschäftsführer war, beschäftigten ihn dann Netzthemen, Beschaffung, Vertrieb und neue Geschäftsmodelle. Bei seiner Arbeit hatte er dann eine Idee für ein Start-up und gründete parallel die Con-Energy-Tochter Energy App Provider.  

Das Konzept der sogenannten Smart-Living-Apps, die dort entwickelt werden, ist einfach: Energiekunden sollen damit ihren Stromverbrauch kontrollieren und mit ihrem Anbieter eine ständige Kontaktmöglichkeit haben, statt nur einmal im Monat oder Jahr eine Rechnung zu bekommen. „Ich arbeitete immer an der Schnittstelle zwischen Technik und energiewirtschaftlichen Fragestellungen“, sagt Prinz.

Kurz vor dem Wechsel zu Hamburg Energie im Mai 2017 ist er zum zweiten Mal Vater geworden. „Es war die wichtigste Herausforderung, meine Familie mitzunehmen, wir wollten keine Pendelbeziehung“, sagt Prinz. Die junge Familie ist deshalb gemeinsam in den Norden gezogen.

Wer ist Ihr Stromanbieter, warum gerade dieser?

Hamburg Energie natürlich.

Was muss passieren, damit Sie ein E-Auto kaufen?

Ich fahre einen Plug-in-Hybrid, weil ich aufgrund des spontanen Umzugs vom Ruhrgebiet nach Hamburg weite Strecken zu fahren habe. Ich finde es erstaunlich, dass Leute so oft gegen Elektroautos argumentieren, indem sie fragen, wie fair die Energie ist, die dafür verwendet wird. Das ist ein bisschen fadenscheinig – wer erzählt mir denn, wo das Öl herkommt, mit dem man konventionelle Autos betankt? Das ist auch nicht ökologisch. Und gerade bei Unternehmenschefs sollte man immer auch fragen: Wie ist denn die Dienstwagenregel, was fahren die Mitarbeiter? Bei uns sind im Pool nur Elektroautos. Ich kann ja nicht Wasser predigen und Wein trinken.

Wer aus der Energie- und Umweltszene hat Sie beeindruckt?

Die Erfinder des EEG, Hermann Scheer und Hans-Josef Fell. Hätte es diese Initiative nicht gegeben, wären wir heute noch von Kohle und Kernkraft dominiert und die Großen wären immer noch nicht verpflichtet, Erneuerbare ins Netz aufzunehmen. Von heute aus betrachtet ist das EEG eine Idee, die sehr viel bewegt hat. 50 Länder haben das kopiert.

Was war für Sie die wichtigste Energie-Innovation der vergangenen Jahre? Welche würden Sie sich wünschen?

Die Entwicklung, dass Erneuerbare aus der Nerd- und Bastelecke herausgewachsen und mittlerweile extrem leistungsfähig geworden sind. Die heutigen Batteriespeicher wären sonst nicht denkbar. Und dass die Erzeugungsstruktur sich komplett geändert hat, finde ich auch klasse. Früher haben vier Konzerne 100 Prozent der Menschen versorgt. Heute gibt es Innovation aus dem Volk heraus.

Das Interview führte Helke Ellersiek für den Background-Newsletter Energie & Klima des Tagesspiegels.