Wärmewende in Hamburg

Energetische Quartiersentwicklung im Heidrehmen

Für die Energiewende in Deutschland brauchen wir nicht nur eine Stromwende und den Ausbau Erneuerbarer Energien. Auch die Wärmewende spielt eine große Rolle, denn der Wärmesektor macht über 50 Prozent des Endenergieverbrauchs in Deutschland aus. Kombinierte Quartierlösungen, die Strom und Wärme direkt vor Ort produzieren, leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Im Quartier Heidrehmen stellen wir uns gemeinsam mit dem BVE dieser Herausforderung.

Vor über 50 Jahren entwickelte der Bauverein der Elbgemeinden (BVE) eine von Barracken geprägte Kiesgrube zu einer modernen Wohnanlage mit 830 Wohnungen für mehr als 1700 Bewohner: das Quartier Heidrehmen. Zentralheizung statt Ofen, fließendes Warmwasser statt eines Boilers – das waren die neuen Annehmlichkeiten Ende der 1960er Jahre.
Seit 2017 geht es im Heidrehmen wieder um modernes Wohnen: Das Projekt „Energetische Quartiersentwicklung Heidrehmen“ soll das Traditionsquartier fit machen für die Energiewende. Gemeinsam mit uns setzt der BVE dafür auf eine Kombination verschiedener Technologien und Maßnahmen, die zusammen das Beste für das Quartier rausholen.

So wird das bereits vorhandene Blockheizkraftwerk (BHKW) um eine zweite Anlage ergänzt. Gemeinsam liefern die beiden Motoren den größten Teil des Wärmebedarfs. Der innovative Ansatz dabei ist ein Pufferspeicher. In diesem wird über den Tagesverlauf Wärme gespeichert und zu den Spitzenlastzeiten – das ist besonders in den Morgenstunden – an das Verteilnetz abgegeben. Durch die Speicherung der Wärme über den Tag wird insgesamt eine geringere Leistung benötigt. Das spart Ressourcen und macht die Wärmeversorgung mit Erneuerbaren Energien möglich.

Zusätzlich zu den BHKW speisen eine Wärmepumpe und eine Solarthermieanlage in den Wärmekreislauf ein. Außerdem ist ein sogenanntes Power-to-Heat Modul installiert, welches Strom in Wärme umwandelt – und dies gerade dann tut, wenn der Strom besonders günstig ist. Das bereits vorhandene Nahwärmenetz des Quartiers wird modernisiert, um Wärmeverluste beim Transport von der Wärmezentrale in die Wohnungen zu verringern und die Leitungen an die neuen Anforderungen anzupassen.

Auch beim Thema Strom stellt sich das Quartier Heidrehmen neu auf. Zukünftig haben die Bewohner die Möglichkeit, den vor Ort in den BHKW produzierten Strom direkt von uns als Quartierstrom zu beziehen. Die Besonderheit: aufgrund der räumlichen Nähe von Stromproduktion und Stromverbrauch sparen sich die Bewohner einige Steuern und Abgaben, die bei einer normalen Versorgung anfallen würden. Ihr Strom aus dem Quartier ist also nicht nur umweltschonend, sondern auch noch besonders günstig.

Neben der Modernisierung der Wärmeversorgung und der Nutzung des lokal produzierten Stroms werden bei ausgewählten Gebäuden außerdem die Dächer nach neuesten Standards gedämmt und Fenster erneuert, um die Wärmeverluste zu verringern. Das Ziel des Projektes ist, all diese einzelnen Maßnahmen zu bündeln. Dadurch soll nicht nur ein maximaler Umweltnutzen entstehen. Auch die Beanspruchung für die Mitglieder des BVE soll so gering wie möglich gehalten werden.

Insgesamt wird die energetische Modernisierung des Quartiers Einsparungen von gut 650 Tonnen CO2 im Jahr mit sich bringen. Dafür konnten Fördermittel der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und Hamburgs Investitions- und Förderbank (IFB) gewonnen werden. Außerdem wird das Projekt durch Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) unterstützt.
Jens Kerstan, Senator für Umwelt und Energie Hamburg, sagte über das Vorhaben: „Das Projekt von BVE und Hamburg Energie zeigt vorbildlich, wie Energiewende im Quartier funktionieren kann und dass es sich sowohl für die Gebäudeeigentümer, aber auch für Mieter lohnt.

Gemeinsam mit dem BVE prüfen wir weiter, ob sich ähnliche Projekte wie im Heidrehmen noch für andere Quartiere der Baugenossenschaft umsetzen lassen, um damit in Zukunft einen noch größeren Beitrag zur Energiewende und den Klimazielen der Stadt Hamburg leisten zu können.