2012 – Durchstarten für die Energiewende

19.09.2019

2012 startet HAMBURG ENERGIE mehrfach durch: ein neues Windrad auf dem Energieberg, großflächige Solaranlagen im Hamburger Hafen, ökologische Regelenergie für mehr Netzstabilität aus dem ersten virtuellen Kraftwerk von HAMBURG ENERGIE und schließlich der Versorgungsauftrag für die Liegenschaften und Einrichtungen der Stadt mit Ökostrom – Hamburgs Energiewende nimmt Fahrt auf!

Das Jahr 2012 beginnt mit einem Knopfdruck: Bürgermeister Olaf Scholz nimmt zusammen mit unserem damaligen Geschäftsführer Michael Beckereit sowie Vertretern der IBA Hamburg und von REpower Systems die neueste Windkraftanlage von HAMBURG ENERGIE in Betrieb. Sie steht auf dem Energieberg, der ehemaligen Mülldeponie Georgswerder. Nach dem Zweiten Weltkrieg für Trümmer und Haushaltsmüll genutzt, wurden hier bis zur Stillegung des Deponiebetriebes 1979 auch giftige Industrieabfälle abgeladen. Der Dioxinskandal von 1983 machte eine aufändige Sanierung und Sicherung des Deponiehügels und des Untergrundes notwendig. Bis heute wird das grundwasser aufwändig technisch geschützt. Das Deponiegas, welches in dem abgedichteten Müllberg entsteht, dient heute der nachen Kupferhütte der Firma Aurubis als zusätzliches Brennmaterial. Im Rahmen der Internationalen Bauaustellung (IBA) wurde der rund 40 Meter Hügel umgestaltet. Der Horizontweg lädt zum Spaziergang und Ausblick auf Stadt und Land gleichermaßen ein. Die begrünte Oberfläche ist mittlerweile ein Ausflugsziel in Hamburgs Süden geworden.

Beim Bau eines Windrades werden große Lasten bewegt

Gewichte halten das aufgerichtete Turmelement gerade, damit es im Wind nicht zu weit ausschwingt.

Innerhalb weniger Tage wurde das komplette Windrad fertiggestellt.

Trotz aller Technik: auch beim Bau modernster Ökokraftwerke muss an vielen Stellen "Hand angelegt" werden.

Vom Müll- zum Energieberg

Hier baute HAMBURG ENERGIE 2009 seine erste Solaranlage, deren flache Fundamente auf die Anforderungen eines nach wie vor gesicherten Deponiekörpers angepasst wurden. Auch beim Bau des Windrades musste dies berücksichtigt werden. Unter großen Sicherheitsvorkehrungen wurde der Deponiekörper für das Sonderfundament geöffnet. Die insgesamt 150 Meter große Anlage ersetzte im Rahmen einer sogenannten Repowering-Maßnahme drei leistungsschwächere Modelle an gleicher Stelle. Mit einer Nennleistung von 3,4 Megawatt zählt sie noch heute zu den leistungsfähigsten Anlagen in der Hansestadt. Das Windrad liefert jährlich rund 7,9 Mio. Kilowattstunden Ökostrom und spart damit etwa 5.000 Tonnen CO2 pro Jahr ein.

Die bis dahin größte und leistungsfähigste Solaranlage der Hansestadt wurde im April 2012 auf den historischen Kaischuppen 50-52 eingeweiht. Auf einer Fläche von mehr als vier Fußballfeldern gewinnen wir seitdem sauberen Strom aus Sonnenkraft. Die Dachfläche der denkmalgeschützten Schuppen wurde dafür von der Stiftung Hamburg Maritim angemietet. Mit einer Leistung von einem Megawatt produziert die Anlage jährlich etwa 850.000 Kilowattstunden Strom. Die Menge entspricht dem Jahresbedarf von ca. 315 Haushalten.

Die Photovoltaikanlage auf den Schuppen 50-52 bildet den Schlusspunkt der Mitte 2010 gestarteten Solaroffensive von HAMBURG ENERGIE. Insgesamt wurden dabei 23 Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 11,3 Megawatt errichtet. Das Ziel von zehn Megawatt zusätzlicher Solarleistung für die Hansestadt wurde damit deutlich übertroffen. Die Anlagen wurden mittels einer Bürgeranleihe finanziert. 328 Anleihezeichner profitierten dank der sechsprozentigen Verzinsung direkt vom Ausbau der Solarenergie in der Hansestadt.

"Durch die Solaroffensive ist HAMBURG ENERGIE in nur eineinhalb Jahren zum größten Solaranlagenbetreiber Hamburgs geworden."

Michael Beckereit, Geschäftsführer von HAMBURG ENERGIE (2009-2017)

Vernetzt für Netzstabilität

2012 nimmt sich HAMBURG ENERGIE auch einer anderen Herausforderung der Energiewende an. Denn mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien – insbesondere der Windenergie – ist die Stromeinspeisung volatiler geworden. Dem gestiegenen Bedarf an sogenannter Regelleistung, also kurzfristig zur Verfügung gestellter Stromproduktion (oder eben deren kurzfristige Senkung), um damit das Stromnetz stabil zu halten, wächst.

HAMBURG ENERGIE hat dafür einzelne kleinere Anlagen in einem virtuellen Kraftwerk zusammengefasst, um die gemeinsame Gesamtleistung als sogenannte Minutenreserveleistung für die Stabilität der Stromnetze anbieten zu können. Bis heute ist so ein ganze Park umweltfreundlicher Kraftwerke entstanden, deren Energie nach Marktbedarf angeboten und zentral durch intelligente Software vernetzt gesteurt wird.

Die Ergebnisse aus dem damals gestarteten Forschungsprojekt „Smart Power Hamburg“, an dem auch verschiedene Hochschulen beteiligt waren, fließen mittlerweile in Folgeprojekte wie "Smart Heat Grid" oder "Norddeutsche Energiewende 4.0" (NEW 4.0) ein. Letzteres untersucht die Möglichkeit, Hamburg und Schleswig-Holstein zu 100 % mit Ökostrom zu versorgen, ohne noch auf Kohle- und Atomstrom angewiesen zu sein.

Grüne Energie für Hamburg

Ende des Jahres konnte HAMBURG ENERGIE erstmals die europaweite Ausschreibung der Freien und Hansestadt Hamburg gewinnen: 365 Millionen Kilowattstunden Ökostrom aus Wind und Wasserkraft für die Behörden, Schulen, Theater und öffentliche Unternehmen kamen vom städtischen Energieversorger. Der Stromliefervertrag mit der Stadt umfasste die Jahre 2013 bis 2015. In den Folgejahren sollten weitere große Hamburger Unternehmen folgen: so fährt zum Beispiel auch die Hamburger Hochbahn bis heute mit 100 % Ökostrom von HAMBURG ENERGIE.