Hamburger im Klimacheck: Wie klimafreundlich sind sie wirklich?

Aktuelle Studie zeigt: Klimawandel-Sorge versus Lebensstiländerung der Hamburger

  • Repräsentative Umfrage offenbart Diskrepanz zwischen Überzeugung und Handeln
  • 18- bis 39-Jährige sehen klare Notwendigkeit, ihr Verhalten für mehr Klimaschutz zu ändern
  • Über 60-Jährige handeln heute schon konkret klimafreundlicher, während Jüngere mehr auf Parteien setzen und andere stärker von klimabewusstem Verhalten überzeugen wollen
  • Hamburger Meteorologe und Klimaexperte Frank Böttcher nimmt stärkeres Bewusstsein wahr
  • Umweltpsychologe Prof. Gerhard Reese: Ökostrom ein „Big Point“ für mehr Klimaschutz im Alltag
     

Eine repräsentative Umfrage im Auftrag von HAMBURG ENERGIE zeigt: Mit 69 Prozent ist die Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger der Meinung, ihr Verhalten ändern zu müssen, um klimafreundlicher zu leben – insbesondere 18- bis 39-Jährige sehen das so (82 Prozent). Die Bereitschaft zu konkreten Änderungen variiert allerdings je nach Altersgruppe (siehe Infografik 1). „Darüber hinaus schätzen sie oft nicht richtig ein, was sinnvolle Klimaschutzmaßnahmen sind und wie sehr Ökostrom dabei hilft, klimafreundlicher zu leben“, erläutert HAMBURG ENERGIE-Geschäftsführer Michael Prinz.
 

Das Bewusstsein für den Klimawandel und seine möglichen Folgen hat sich aus Sicht des Hamburger Meteorologen und Klimaexperten Frank Böttcher deutlich erhöht: „War dieses Thema vor ein paar Jahren noch vielen egal, so melden sich heute immer mehr Menschen bei mir, um mehr über die Ursachen und Folgen des Klimawandels zu erfahren und was sie persönlich dagegen tun können.“
 

Klimafreundliches Verhalten: Wunsch oder gelebte Realität?
Wenn es darum geht, den Lebensstil zu ändern und sich konkret klimafreundlich zu verhalten, sind vor allem die über 60-Jährigen ihren jüngeren Mitbürgern einen großen Schritt voraus. 57 Prozent von ihnen versuchen heute schon, auf Flugreisen zu verzichten (das tun nur 32 Prozent der 18- bis 39-Jährigen), 70 Prozent kaufen überwiegend regionale Lebensmittel ein (nur 41 Prozent bei den Jüngeren) und 76 Prozent vermeiden Einwegprodukte (54 Prozent der Jüngeren).
 

Indes gehen Jüngere, verglichen mit ihren über 60-jährigen Mitbürgern, häufiger protestieren und geben ihre Stimme öfter einer Partei, die sich konsequent gegen den Klimawandel einsetzt. Außerdem erhofft sich ein Drittel der Befragten einen wirksamen Effekt davon, andere Menschen von klimabewusstem Verhalten zu überzeugen.
 

Umweltengagement je nach Alter unterschiedlich ausgeprägt
„Diese Ergebnisse sind höchst interessant, weil sie darauf hindeuten, dass Jüngeren der Verzicht im Bereich Mobilität besonders schwerfällt“, so Umweltpsychologe Prof. Gerhard Reese von der Universität Koblenz-Landau und führt weiter aus: „Allerdings kann man ihnen dies schwerlich vorwerfen – sind sie doch in ein System hineingewachsen, in dem beispielsweise eine billige Flugmobilität erst möglich geworden ist. Ältere haben noch erlebt, dass Flugreisen ein teures und besonderes Vergnügen waren, das man sich nur selten geleistet hat. Die hier vorliegenden Ergebnisse bestätigen andere Studien, die gezeigt haben, dass sich Umweltengagement je nach Alter auf verschiedenen Ebenen abspielt. So finden sich beispielsweise immer mehr Jugendliche in der Fridays for Future-Bewegung und anderen Klimaschutzinitiativen wieder oder wählen eher ökologische Parteien. Ältere hingegen sind häufig finanzielle Unterstützer von Umweltverbänden oder eben weniger mobil.“
 

Ältere können sich eher vorstellen, auf Auto oder Flugreisen zu verzichten
Auch die Bereitschaft, ihr zukünftiges Handeln klimafreundlicher auszurichten, ist insgesamt gesehen bei den Älteren größer. Besonders signifikante Unterschiede zwischen den Altersgruppen tun sich in den Bereichen Auto, Flugreisen und Ernährung auf. So würden 47 Prozent der 40- bis 59-Jährigen, 40 Prozent der über 60-Jährigen und nur 27 Prozent der 18- bis 39-Jährigen komplett auf das Auto verzichten. Knapp ein Drittel der Befragten ist bereit, komplett auf Flugreisen zu verzichten, was zu 54 Prozent vor allem auf über 60-Jährige zutrifft. Von den 18- bis 39-Jährigen ist nur rund ein Fünftel bereit, gänzlich auf Flugreisen zu verzichten. Hingegen ist die Bereitschaft bei Jüngeren größer, sich vegetarisch oder sogar vegan zu ernähren. Ein Viertel der 18- bis 39-Jährige kann sich dies vorstellen, im Gegensatz zu lediglich elf Prozent der über 60-Jährigen.
 

Vereinbarkeit von Klimaschutz und Alltag
„Dies bedeutet nicht per se, dass Menschen einfach nur zu bequem sind“, sagt Umweltpsychologe Reese. „Wenn Flugreisen unverhältnismäßig günstig sind, etwa im Vergleich zum Bahnverkehr, dann überrascht es nicht, dass Menschen sich für einen Flug nach München entscheiden. Außerdem müssen gerade die 18- bis 39-Jährigen am meisten unter einen Hut bekommen: vom Schulabschluss über die berufliche Weichenstellung bis zur Familiengründung. In dieser Lebensphase wird Zeit ein ganz wichtiger Faktor und wenn man dann mit dem Flieger schneller und günstiger ans Ziel kommt, da fällt vielen die Entscheidung nicht schwer.“
 

Einfachster Hebel, um die persönliche Klimabilanz aufzubessern: Ökostrom
Lediglich für ein Viertel der Befragten ist ein Wechsel zu einem Ökostromanbieter zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine Option für mehr Klimaschutz. „Dieses Ergebnis zeigt, dass Ökostrom zu wenig Relevanz für den Klimaschutz beigemessen wird“, erläutert Prinz (siehe auch Infografik 2). „Dabei kann ein durchschnittlicher Drei-Personen-Haushalt durch den Bezug von Ökostrom seine Klimabilanz aufbessern und jährlich bis zu zwei Tonnen CO2 einsparen. Ein Umstieg auf Ökostrom braucht keinen großen Aufwand und ist binnen weniger Minuten vollzogen und trägt dazu bei, die Folgen der Erderwärmung einzudämmen und den Ausstieg aus Kohlestrom und Atomkraft zu beschleunigen. Es ist also ein kleiner Hebel mit großer Wirkung.“
 

Ökostrom zählt Prof. Reese zu den vier sogenannten Big Points für ein klimabewussteres Leben: „Es gibt Verhaltensweisen, mit denen ich wirklich effektiv etwas für die Verkleinerung meines persönlichen CO2-Fußabdrucks tun kann und im Gegensatz zum Mülltrennen und der Nutzung von Energiesparlampen einen vielfachen Effekt habe. Zum einen ist es die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs statt des Autos, aber auch der Bezug von Ökostrom sowie eine pflanzenbasierte Ernährung und der Verzicht auf Flugreisen. Das sind nahezu kostenneutrale Lebensstiländerungen.“
 

Berichterstattung macht Klimawandel real
„Bezüglich der konkreten Lebensstiländerung ist der Aspekt nicht unwesentlich, dass der Klimawandel für viele Menschen zu abstrakt ist“, erklärt Böttcher. „Klima ist die Statistik des Wetters, also eine rein mathematische Betrachtung von Wetterereignissen. Während wir Regen, Wind, Wärme und Kälte aber mit unseren Sinnen unvermittelt spüren können, haben wir für den Klimawandel kein Sinnesorgan. Die Erhöhung der mittleren Temperatur um ein Grad innerhalb von 30 Jahren nehmen wir nicht sofort und direkt wahr. Dafür schafft die Berichterstattung und Diskussion über extreme Wetterereignisse allmählich das nötige Bewusstsein.“
 

WEITERE ERGEBNISSE:

Falsch geschätzt: Der CO2-Fußabdruck der Hamburgerinnen und Hamburger

„Hamburgerinnen und Hamburger schreiben ihrem Energieverbrauch im Haushalt nur einen mittelmäßigen Anteil an ihrer persönlichen CO2-Bilanz zu. Dabei machen Privathaushalte ein Drittel am gesamtdeutschen Energiebedarf aus“, erläutert Prinz. „Wenn sie hier also etwas ändern, so hat es einen großen CO2-Einspareffekt.“
 

Bezüglich ihres eigenen CO2-Fußabdrucks nämlich, so die Umfrageergebnisse, sehen sich die Hamburger im Bereich Mobilität am wenigsten klimafreundlich. Das Reisen sehen die Befragten als zweitgrößten Posten bei ihren persönlichen CO2-Emissionen, den Energieverbrauch im Haushalt erst auf Platz drei. Entsprechend sehen sie es als wirksamste Klimaschutzmaßnahme an, auf den öffentlichen Nahverkehr oder das Fahrrad umzusteigen, was 64 Prozent bereits heute tun. Zukünftig auf das Auto verzichten möchten insgesamt nur 37 Prozent, auf Flugreisen nur ein Drittel.
 

Befragte sehen bei Energieerzeugern und Industriebetrieben größten Einfluss auf Klimawandel
Geht es darum, Verantwortliche zu identifizieren (siehe Infografik 4), schreiben Hamburgerinnen und Hamburger Energieerzeugern wie Kohlekraftwerken den größten Einfluss auf den Klimawandel zu, wobei insbesondere über 60-Jährige das so sehen (29 Prozent). Auf dem zweiten Platz sehen die Befragten Industriebetriebe als Akteure mit dem meisten Einfluss auf den Klimawandel. Jüngere sehen außerdem zu 14 Prozent Autofahrer als starke Einflussnehmer, die über 60-Jährigen tun dies nur zu sechs Prozent.

 

Wieviel Einfluss hat eine Einzelperson auf den Klimawandel?
Dem Einzelnen im Alltag räumen die Befragten im Vergleich mit den größten Verursachern am wenigsten Einfluss auf den Klimawandel ein. Gleichwohl schätzt fast jeder Zweite den individuellen Einfluss jedes Einzelnen auf den Klimawandel als (sehr) hoch ein. Besonders Jüngere sind mit 59 Prozent eher der Ansicht, dass sie (sehr) hohen Einfluss haben, wohingegen dies nur 38 Prozent der 40- bis 59-Jährigen denken.
 

„Hier zeigt sich ein typisches Dilemma“, so Reese. „Einerseits wissen wir, dass wir selbst aktiv sein müssen, glauben aber, keinen Einfluss zu haben. Uns fehlt es hier an wahrgenommener Selbstwirksamkeit, so dass sich viele ohnmächtig fühlen.“ Er fordert entsprechend: „Wir brauchen eine Stärkung des Gefühls, gemeinsam etwas erreichen zu können. In der Fridays for Future-Bewegung erleben wir, wieviel Einfluss jeder Einzelne haben kann, wenn man sich zusammentut. Studien zeigen, dass ein Gefühl kollektiver Wirksamkeit das der individuellen Wirksamkeit stärken und damit zu Umweltschutzverhalten motivieren kann.“
 

Hamburger sind optimistisch, zum Klimaschutz beitragen zu können
Böttcher ist optimistisch: „Die Sorge der Menschen vor dem Klimawandel ist durch die Zunahme von Extremwetterereignissen und die Berichterstattung darüber angestiegen. Ihre Wahrnehmung hat sich verändert. Darin liegt die Chance zu erkennen, dass wir beispielsweise mit dem Umstieg auf erneuerbare Energien unserer Umwelt Gutes tun, zur Stabilisierung des Klimas beitragen und wertvolle Ressourcen auch für die nächsten Generationen erhalten können.“ Diesen Optimismus bestätigen die Umfrageergebnisse, denn Hamburgerinnen und Hamburger sind zu 82 Prozent überzeugt, persönlich einen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten zu können.
 

Erste Schritte in ein klimafreundlicheres Leben
„Dazu ist es zunächst einmal wichtig zu wissen, wie sehr unser Konsum unsere Umwelt beeinflusst“, so Michael Prinz von HAMBURG ENERGIE (siehe Infografik 5). „Im zweiten Schritt brauche ich dann Empfehlungen für wirklich effektive Klimaschutzmaßnahmen. Zu Ökostrom zu wechseln, ist dabei die mühelosteste. Und sie ist womöglich nur der erste Schritt in ein klimafreundlicheres Leben.“
 

Auch Prof. Reese empfiehlt eine bewusste, aber zielgerichtete Annäherung an ein klimabewussteres Leben: „Wer beispielsweise auf Fleisch verzichten möchte, es ihm aber schwerfällt, der sollte sich zunächst vornehmen, an bestimmten Tagen fleischfrei zu leben. Diese Absicht gepaart mit einer konkreten Umsetzungsstrategie wie ‘Am Dienstag mache ich Gnocchi mit Tomatensauce und am Freitag Saitansteak mit Pommes’ hilft, Hürden zu überwinden. Zudem ist es in Deutschland relativ einfach, Ökostrom in seinem Haushalt zu beziehen. Das sollte eine Selbstverständlichkeit werden, so wie es heute selbstverständlich in Deutschland ist, Müll zu trennen. Das würde helfen, einen grundsätzlichen Systemwechsel anzustoßen.“
 

„Aber wie so oft ist es eine Frage des ersten Schritts“, resümiert Frank Böttcher. „Wir alle kennen doch diesen inneren Konflikt, wenn es darum geht, die richtigen Entscheidungen zu treffen – sei es nur im Supermarkt, wo ich vielleicht doch wieder zur bekannten Marke im Sonderangebot greife statt zur regional produzierten Bioware. Niemand entscheidet sich ausschließlich umweltbewusst in seinem Leben oder rettet die Welt im Alleingang. Wichtig ist, sich einer Entscheidung bewusst zu sein, denn das Handeln jedes Einzelnen zählt."

 

Studienhintergrund:
An der Umfrage mittels Online-Interviews nahmen 1.000 Hamburgerinnen und Hamburger ab 18 Jahren teil. Die Befragung wurde vom Nürnberger Marktforschungsinstitut mindline energy GmbH im Auftrag von HAMBURG ENERGIE im Zeitraum vom 11. bis 17. September 2019 durchgeführt.

 

HAMBURG ENERGIE-Geschäftsführer Michael Prinz erläutert die Ergebnisse der repräsentativen Befragung, die das Marktforschungsinstitut Mindline Energy für den städtischen Ökostromanbieter durchgeführt hat.

Zusammen mit dem Hamburger Meteorologen und Klimaexperten Frank Böttcher (l.) stellt HAMBURG ENERGIE-Geschäftsführer Michael Prinz die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts Mindline Energy vor und ordnet sie ein.

Infografik 1 - Bereitschaft vs. Notwendigkeit der Verhaltensänderung

Infografik 2 - Einflussgrößen Klimaschutz

Infografik 3 - Einschätzung CO2-Fußabdruck

Infografik 4 - Verantwortungsträger

Infografik 5 - CO2-Ausstoß Konsum

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