Hamburgern geht der Ausbau erneuerbarer Energien nicht schnell genug

Aktuelle Studie: So steht Hamburg heute zu Atomkraft und Energiewende

  • Hamburger stehen hinter dem Atomausstieg, viele hätten ihn sich schon früher gewünscht.
  • Verbraucher können mit der Wahl ihres Ökostromanbieters den Erneuerbaren-Ausbau unterstützen.
  • Die Nuklearkatastrophe hat besonders bei Jüngeren die Einstellung zu Atomkraft negativ verändert.
  • Insbesondere Älteren bereitet ungeklärte Frage der Atommüllendlagerung Sorge.

Die Menschen in Hamburg haben eine klare Meinung: Den Atomausstieg hätten sie sich früher gewünscht und der Ausbau erneuerbarer Energien geht ihnen zu langsam voran. Das ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag von HAMBURG ENERGIE.

„Die Entscheidung aus der Atomenergie auszusteigen, wird heute wie damals von der überwiegenden Mehrheit als richtige Entscheidung beurteilt“, erklärt Michael Prinz, Geschäftsführer von HAMBURG ENERGIE. Etwa 80 % der Befragten stehen hinter dem deutschen Atomausstieg. Besonders hohe Zustimmung erfährt die damalige Entscheidung bei den 30- bis 39-Jährigen (87 %). Bei den 60- bis 69-Jährigen erreicht die Zustimmung den vergleichsweise geringsten Wert mit 75 %.

Etwa zwei von drei Hamburgern hätten sich sogar einen früheren Ausstieg aus der Atomenergie gewünscht. Diese Einstellung ist bei den 18- bis 29-Jährigen mit 68 % am stärksten ausgeprägt und bei den 60- bis 69-Jährigen mit 58 % vergleichsweise am geringsten.

Befragt nach den Gründen, warum sie den Atomausstieg heute richtig finden, heben drei Viertel der Ausstiegsbefürworter den Aspekt der Sicherheit hervor, denn sie halten Kernenergie für gefährlich, umwelt- und gesundheitsschädlich. Zudem findet ein Fünftel, dass es ausreichend Alternativen zu Atomenergie gibt. Das sehen die Kritiker des Atomausstiegs (15 %) anders und geben den Mangel an Alternativen als Hauptgrund für ihre Einstellung an (35 %).

Ausbau erneuerbarer Energien geht zu langsam voran
Der Ausstieg aus der Kernenergie bedeutet den Einstieg in alternative Energien. So finden acht von zehn befragten Hamburgern den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland wichtig bis sehr wichtig. Mit zunehmendem Alter stimmen die Befragten dem Ausbau der Erneuerbaren stärker zu. Mehr als 90 % der 60- bis 69-Jährigen findet diesen Punkt sehr wichtig bis wichtig, während es bei den 18- bis 29-Jährigen nur etwa 70 % so sehen.

Befragt nach dem Tempo des Erneuerbaren-Ausbaus geht es 60 % der Befragten zu langsam, etwa ein Fünftel beurteilt das Ausbautempo als genau richtig und nur für zirka 10 % ist es zu schnell oder überhaupt nicht wichtig. Auch bei dieser Frage gehen die Meinungen im Altersverlauf auseinander. Während für die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen das Tempo des Ausbaus erneuerbarer Energien zu langsam vorangeht, prägt sich diese Einschätzung in den höheren Altersgruppen stärker aus. So finden schon fast drei Viertel der 60- bis 69-Jährigen das Ausbautempo als zu langsam.

„Interessant ist, dass insbesondere den älteren Befragten der Ausbau nicht schnell genug geht, sie aber weniger als die Jüngeren bereit sind, eine Art Ausbaubeitrag von beispielsweise drei Euro im Monat dafür zu zahlen“, bemerkt Michael Prinz. Insgesamt wären 50 % der Befragten bereit, sogar etwas mehr für Ökostrom zu bezahlen, sofern sie damit den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben können.

„Aktuell besteht das Dilemma, dass die Energiewende aufgrund bürokratischer Hürden und Ausbaubeschränkungen ins Stocken gerät“, führt Prinz aus. „Um dies zu verhindern, ist eine umfassende Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) nötig, um den Ausbau erneuerbarer Energien wieder zu entfesseln.“

„Tatsächlich können aber auch Verbraucher mit der Wahl des richtigen Ökostromanbieters den Erneuerbaren-Ausbau und damit den Ausstieg aus Atom- und Kohlekraft beschleunigen“, so Prinz. „Dafür sollten sie einen genaueren Blick hinter die Ökotarife werfen, denn Ökostrom ist kein geschützter Begriff. Eine gute Orientierung bietet dabei das Grüner Strom-Label der Umweltverbände NABU und BUND, das Tarife mit echtem Umweltnutzen auszeichnet.“

Nuklearkatastrophe hat Einstellung verändert
Die Nuklearkatastrophe in Fukushima und ihre Folgen hat nicht nur Betroffenheit ausgelöst, sondern hatte auch großen Einfluss auf die Einstellung der Bevölkerung zur Kernenergie. In Hamburg steht seitdem jeder Dritte der Atomkraft kritischer gegenüber, jeder Zweite wurde in seiner bereits zuvor bestehenden negativen Haltung bestätigt.

Den stärksten negativen Effekt hatte Fukushima auf die Einstellung von 18- bis 29-Jährigen, die zu etwa 40 % angeben, dass sich ihre Einstellung negativ verändert hat. Am wenigsten Änderung gab es bei den 40- bis 59-Jährigen (28 %), denn mehr als die Hälfte von ihnen gibt an, dass sich ihre negative Einstellung gegenüber der Atomkraft bestätigt hat. Inwiefern diese Altersgruppe bereits durch den Reaktorunfall in Tschernobyl vor mittlerweile 35 Jahren kritisch geprägt wurde, konnte in dieser Umfrage nicht untersucht werden.

„Die Ereignisse in Fukushima haben aber auch viele Menschen zum Handeln gebracht“, erläutert Michael Prinz. „Erfreulicherweise gab es im Gegensatz zu den Achtzigern, nach dem Super-GAU in Tschernobyl, mittlerweile ökologische Alternativen zur Kernenergie. In 2011 konnten wir einen enormen Anstieg der Kundenzahlen gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. Die Zahl hat sich damals fast verdreifacht.“

Sorgen und Kosten bleiben
Trotz des Ausstiegs Deutschlands aus der Kernkraft bleibt Besorgnis bei den Menschen bestehen. Die Gefahr, dass sich eine Nuklearkatastrophe wie in Fukushima wiederholen könnte, sehen Hamburger aber eher außerhalb Deutschlands.

Des Weiteren bereitet den Befragten aktuell die ungeklärte Frage der Atommüllendlagerung (zu 72 %) am meisten Sorge, gefolgt von den Gefahren für die Umwelt (64 %) und die Gesundheit (65 %) durch radioaktive Strahlenbelastung. Mit zunehmendem Alter steigt die Besorgnis bezüglich der ungeklärten Frage der Atommüllendlagerung. Während etwa zwei Drittel der 60- bis 69-Jährigen angeben, sehr besorgt über die ungeklärte Frage der Atommüllendlagerung zu sein, geben dies bei den 18- bis 30-Jährigen lediglich knapp 30 % an.

Bei der Frage, wer die Kosten des Atomausstiegs und der Endlagerung des radioaktiven Abfalls tragen soll, sind sich die Menschen in Hamburg uneinig. Während etwa vier von zehn Befragten die Betreiber der Atomkraftwerke in der Pflicht sehen, befürworten ähnlich viele eine Kostenteilung zwischen den Betreibern und Staat. Am wenigsten Zustimmung erfährt die Option, dass der Staat alles aus Steuermitteln bezahlt (17 %).

 

Studienhintergrund:
An der Umfrage mittels Online-Interviews nahmen 504 Menschen ab 18 Jahren teil, die in Privathaushalten in Hamburg leben. Die Stichprobe ist bevölkerungsrepräsentativ für 18- bis 69-Jährige in Hamburg. Die Befragung wurde vom Nürnberger Marktforschungsinstitut mindline energy GmbH im Auftrag von HAMBURG ENERGIE im Zeitraum vom 12. bis 21. Februar 2021 durchgeführt.

 

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